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ZEICHEN UND WUNDER

Vernissage am 29. November
ab 19 Uhr

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Traumrevier - FR, 2. August 2011

 

 

IM NIRGENDWO

„Im Frankfurter KunstBlock sind beeindruckend beunruhigende Bilder der Städelschul-Absolventin Slava Seidel zu sehen.

 

 

Nicht zu verstören, das ist keine Kunst. Slava Seidel, die ausschließlich in Grau, Braun und Schwarz malt, die nur selten ein bisschen Hellblau zwischen all die stürzenden Wände auf ihren Tableaus fallen lässt, verstört.
Zumal in der Hanauer Landstraße, wo der Ausstellungsraum KunstBlock liegt. Man blickt aus den hohen Glaswänden der Halle und meint zu sehen, dass auch in der rasenden Eile des versteinerten Lebens da draußen alles wankt.
T-Raumrevier heißt die Retrospektive der in der Ukraine 1974 geborenen Künstlerin, die vor drei Jahren die Städelschule abgeschlossen hat. Träume? Vielleicht, aber eher Alpträume.

Ein einziger Mann in Hut und Regenmantel zwischen kippenden Mauern. Ein ins Nirgendwo flüchtender Hund. Schaufensterpuppen, die den Betrachtern vor der Scheibe bedrohlich näherkommen.
Ein ratlos um sich Blickender allein in einem Labyrinth. Ein wackeliges Haus auf schmalem Grund. Und alles grau-in-grau.
Denn Seidel benutzt ausschließlich Sepia-Tinte (ein aus Tintenfischen hergestellter Farbstoff); an den Rändern der harten Konturen verschwimmt alles. In Sankt Petersburg hat die Künstlerin ein offenbar strenges Studium der Innenarchitektur abgeleistet, vielleicht gehen ihr seitdem die Häuser nach. Aufgewachsen ist sie in einem Industriegebiet, auch das bildet sich ab. Die Welt, die sie zeigt, überfordert die Menschen.
Ähnlich wie die Welt da draußen, jenseits des Hofes, in der Hanauer. Nur vereinzelt sieht man da nachmittags auf der Straße Menschen herumhetzen; Leute, die nur eins wollen: nach Hause. Und nur der Himmel scheint Freiraum und Weite zu eröffnen. Der Kunstblock, eingepasst in ein früheres Fabrikgelände, hält seit 2005 dagegen.

Viermal im Jahr werden Künstler eingeladen, Gäste dazu - und ein Austausch über die zeitgenössische Kunstproduktion der Region gepflegt. Das ehrt die Gastgeber und Manager von BellaVista Film, die dafür immer wieder ihre Büroräume umbauen.

Für Slava Seidel haben sie außerdem noch einen sehr ansehnlichen Katalog herausgebracht.

Frankfurter Rundschau, 2.8.11

 

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