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ZEICHEN UND WUNDER

Vernissage am 29. November
ab 19 Uhr

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Fremdes und Vertrautes - Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. April 2010

 

 

Gut getarnte Wesen im Frankfurter Stadtwald

Malerei und Fotografie, Stadtlandschaften und Waldinterieurs:

 

eine Ausstellung im Frankfurter Kunstblock

Von Chrisroph Schütte

Die Überraschung hält sich zunächst in Grenzen. Klassisch figürliche Bildhauerei dominiert das Entree im Frankfurter Kunstblock, Malerei findet sich ebenso wie Fotografie, Stadtlandschaften treffen auf Waldinterieurs und genreartige Figuren, und statt "Fremdes und Vertrautes", wie es die aktuelle Ausstellung im Titel geheimnisvoll verspricht, zeigen sich die fünf vertretenen Positionen hier von ihrer vordergründig expressiven, dort romantisch konnotierten und mithin rasch - allzu rasch, um es gleich vorwegzunehmen- als eher konventionell zu apostrophierenden Seite.

Denn wie so oft in den Räumlichkeiten der BellaVista Film (Hanauer Landstraße 139) , wo Florian Koch seit fünf Jahren vorwiegend junge Künstler aller Medien vorstellt, zeigt sich das Fremde

subtilerweise angesichts dem Anschein nach vertrauter Motive und Inszenierungen. Ob in der noch tastenden, mitunter auch noch etwas unentschieden daherkommenden Latexmalerei des Leipzigers

Erik Weiser, in den Bildern Stefanie Kettels oder der neuen Fotoserie der deutsch-iranischen Künstlerin Diana Djeddi - stets sind es die ungewöhnliche Technik, der überraschende Umgang mit dem Material oder der Zugriff auf ein Thema aus neuer Perspektive , was die auf den ersten Blick so unterschiedlichen Künstler verbindet.

Das gilt selbst für den Dieburger Bildhauer Martin Konietschke, dessen ganz klassisch als Bronzeguss ausgeführte Skulpturen mit "Melancolica", einer "Kleinen Venus" oder einem "Selbstporträt" bekannte Themen der figürlichen Plastik variieren oder verletzliche , aufgerissene Torsi zeigen. Zugleich aber und darüber hinaus werden etwa mit einem "Mann mit Mütze", einem "Wartenden" oder dem "Kleinen Rückenwind" auch ganz beiläufige, hübsch beobachtete Verkörperungen unseres Alltags dargestellt. Jan Brand zeigt derweil in seiner in einer einzigen

Einstellung gedrehten Videoarbeit "Rosenthai" nichts als ein schlicht es, vom beständigen Rauschen der offenbar nicht fernen Autobahn untermaltes Waldinneres, wie man es etwa von Spaziergängen aus dem Frankfurter Stadtwald zu kennen glaubt. Doch wie so oft im deutschen Wald ist auch bei Brand nichts, wie es scheint,s ind Bäume, Büsche, all das tote Holz und Farne wundersam belebt von stummen, gut getarnten Wesen, wie sie sonst allenfalls noch somnambule oder wenigstens doch phantasiebegabte Kinder sehen.

Die Dialektik von Fremdem und Vertrautem freilich, wie es die Ausstellung verspricht, begegnet dem Betrachter schließlich am überzeugendsten in den Bildern Stefanie Kettels und Diana Djeddis. Doch während Kettel, die vor kurzem mit ihrem Solodebüt in der Frankfurter Galerie Greulich auf sich aufmerksam gemacht hat, mit figürlichen und abstrakten, landschaftlichen und architektonischen Elementen meist vorgefundene - etwa Postkarten entnommene - Motive in malerischer Spannung hält, zeigt sich die Wirklichkeit in Djeddis Fotokunst suggestiv verfremdet.

Im vergangenen Jahr mit ihren im Vorfeld der Wahlen entstandenen und in dieser Zeitung veröffentlichten Fotos aus Iran bekannt geworden, zeigt sich Djeddi in ihren während der toskanischen Jagdsaison entstandenen Lomografien von einer gänzlich anderen und vor allem erfrischend experimentierfreudigen Seite. Gezielte Unschärfen, unvorhergesehene, dem abgelaufenen Film wie der unberechenbaren russischen Kamera geschuldete Farbfehler und dramatische Helldunkeleffekte lassen die waidmännischen Szenen und aufgehängten Bälge in hier barockem, dort romantischem Licht,

dann wieder in wie mit versteckter Kamera aufgenommenen Ausschnitten und mithin mal vorwiegend erzählerisch, mal malerisch, mal ganz und gar abstrakt erscheinen. Die weitere Entwicklung dieser jungen Fotokünstlerin verheißt Spannendes.

Bis 21. Mai werktags von 10 bis 17 Uhr

 

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