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ZEICHEN UND WUNDER

Vernissage am 29. November
ab 19 Uhr

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Who is Who - Frankfurter Rundschau, September 2009

 

Gut abgedunkelt

Freddy Langer fotografiert Prominente mit Schlafbrillen

 

Von Mia Beck

Es soll Leute geben, die können ohne sie nicht einschlafen. Erst wenn der Stoff die müden Augen verdunkelt, finden sie Ruhe und Entspannung. Im Filmklassiker "Frühstück bei Tiffany" trug Nachteule Holly Golightly alias Audrey Hepburn eine Schlafbrille, wenn sie wieder einmal die Nacht durchgefeiert hatte und am Tag schlafen wollte. Die beliebten Reiseaccessoires wurden noch vor ein paar Jahren auf Langstreckenflügen von den Stewardessen großzügig ausgegeben. Inzwischen sparen die meisten Airlines allerdings und verteilen die Verdunklungshelfer oft nur noch an Business- und Firtst-Class-Passagiere. Wer doch mal eine ergattert, nimmt sie gerne mit nach Hause - schließlich weiß man nie, wann man sie mal brauchen kann.

Heute wrd die Schlafbrille auch gerne mal fürs Beauty-Nickerchen zwischendurch eingesetzt: Echte Diven (weibliche und männliche) haben jedenfalls immer eine neben ihrem Bett liegen. Sie wissen natürlich, dass das Hormon Melatonin, das gegen Falten wirkt, nur dann ausgeschüttet wird, wenn es für die Augen richtig dunkel ist. Sogar um Streit zu vermeiden taugt sie, etwa dann, wenn der oder die Liebste im Bett noch lesen möchte und man selbst sich vom Licht der Nachttischlampe gestört fühlt. Damit der Schönheitsschlaf auch für das Gegenüber adrett aussieht, wurde am Design gefeilt. Inzwischen gibt es das nützliche Utensil auch aus edler Seide oder in Blümchen-Optik.

Als der Frankfurter Fotograf Freddy Langer vor fast 30 Jahren damit anfing, Prominente mit Schlafbrillen abzulichten, geschah das eher aus Interesse daran, wie markant ein Konterfei ist. Kann man eine Person auch dann noch identifizieren, wenn der offenkundig wichtigste Teil ihres Gesichtes bedeckt ist? Natürlich weiß Langer, dass da neben der Freude am Experiment immer ein wenig die Eitelkeit mitspielt. Mitgemacht haben jedenfalls viele: Mehr als 350 Schauspieler, Schriftsteller, Maler, Sportler und Politiker ließen sich bereits von ihm mit Schlafbrille auf der Nase porträtieren.

 

Joseph Beuys hielt sich die Brille vors Gesicht, um den Hut nicht absetzen zu müssen

 

Eines seiner ersten Modelle war in den 80er Jahren der Künstler Joseph Beuys, der sich beim Shopping die Brille vors Gesicht hielt, um bloß seinen Hut nicht absetzen zu müssen. Wenig später gelang es ihm, Andy Warhol mit Brille abzulichten. Unverkennbar sind seine Mundpartie und der weißblonde Haarschopf.

Drei Polaroid-Aufnahmen macht Langer stets. Eine behält der porträtierte Künstler, die beiden anderen (immer eins mit einer türkisblauen und eins mit einer karierten Schlafbrille) wandern in seine Sammlung. Seit Donnerstag ist eine Auswahl von mehr als 60 seiner Fotografien im Frankfurter KunstBlock zu sehen. Präsentiert werden sie als High Resolution Digital Printe im Mittelformat, doch glücklicherweise ist der Polaroid-Charakter mit seiner oft überraschenden Farbeffekten unverkennbar. International bekannte Stars wie Hanny Schygulla, John Malkovich, Dennis Hopper, Peter Fonda und Claudia Cardinale hängen nahe beieinander. Sänger wie Bono und Marianne Faithfull erkennt man ebenfalls auf den ersten Blick, und auch die Fotografie-Kollegen Helmut Newton, William Klein und Wolfgang Tilmans sind hier verewigt. Auf alle Krimi-Fans wartet im 1. Stock ein gesonderter "Tatort-Block", unter anderem mit den Porträts von Dietmar Bär, Maria Furthwängler und Miroslav Nemec. Im kleinen Format kann man die Kunst auch mit nach Hause nehmen. Der Frankfurter MeterMorphosen-Verlag hat dafür eine Art Memory-Spiel mit 36 Künstler-Konterfeis entwickelt - je eine KArte mit blauer, eine mit karierter Brille.

 

Freddy Langer, Who is who?

Schlafbrillen-Porträts, BellaVista Film, Hanauer Landstraße 139 (im Hof)

werktags von 10-17 Uhr, bis 13.11.2009

 

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